Dreiuiundſechzigſtes Kapitel. Mit der feſten Abſicht, ſich um eine Erlaubniß für
Tanz ⸗Unterricht bei der Behörde zu melden, traf Anton
in der Stadt ein, aus welcher vor einem halben Jahre Hedwig's Bild und Andenken ihn begleitet. Zuerſt aber fand er es angemeſſen, jener Majorswittwe, in deren
Hauſe er ſo ſchöne Stunden— in Anſchauen und fromme 5
Bewunderung verſenkt— durchlebt, ſeinen Beſuch zu machen, ihr ſeinen Plan mitzutheilen und um ihren guten Rath zu bitten. Daß die Hoffnung, über Hedwig Etwas zu erfahren, im Grunde des Herzens ſchlum⸗ mernd, ihn hauptſächlich zu dieſem Beſuche antrieb, ent⸗ deckte er ſelbſt erſt, als von ihr die Rede war. Doch welch' ein Gefühl durchdrang ihn, da er vernehmen mußte, der alte Hauptmann, ihr Vater, in Folge ſchwe⸗ rer Wunden zum ferneren Dienſte völlig untauglich, ſei verabſchiedet worden, habe E. verlaſſen und habe ſich in eine andere kleine Stadt— man wußte nicht, welche?— begeben, um ſich einzuſchränken und ſparſamer hauszu⸗ halten.— Hedwig war fort. Er ſollte ſie nicht mehr ſehen. Seine Pläne löſeten ſich in Rauch auf. Er ent⸗
deckte nun gar nicht erſt ſeiner Gönnerin, daß er im
Sinne gehabt, den Winter über als Tanzlehrer in E. zu verleben; er empfahl ſich ihr und ſchied für immer. Meinte auch E. an ſelbigem Tage zu verlaſſen! Doch mit nichten.
Er ging, nur an Hedwigs Abreiſe denkend, nieder⸗ geſchlagen und entmuthigt durch die Gaſſen— da fiel


