— 3— noch ein Jahr bis zur Volljährigkeit!? Dann ſoll der ganze Mann da ſtehen! Ach, und ich komme mir ſo oft noch wie ein Junge vor! Und wenn ich an Adelheid denke, wie ein recht dummer Junge!
„Wau wau!“ machte jetzt im anſtoßenden Neben⸗ zimmer eine derbe Hundeſtimme, wie wenn ſie den dummen Jungen beſtätigen wollte. Dann folgten weib⸗ liche Schmeicheltöne, die wieder mit allerlei Drohworten
abwechſelten; hernach ließ eine heiſere Männerſtimme 6
ſich vernehmen, die abſcheuliche Schmähungen gegen Gott und Menſchen ausſtieß; dazwiſchen erklang die Weiberſtimme, zornig, im höchſten Affect und rief:„Pack ihn, greif ihn, mein Thierchen; ſo ſchön! An der Bruſt! Beſſer! Schüttle ihn! Wirf ihn zu Boden, den nieder⸗ trächtigen Mörder, zerreiße ihm den Rock!“— Hier ſprang Anton vom dreibeinigen Kanapee auf, nahm
ſeinen Reiſeſtock zur Hand und wollte ſchon durch kräfti⸗
gen Fußtritt jene Thüre ſprengen, welche ihn vom Schau⸗ platz eines blutigen Verbrechens trennte, als ein freund⸗ liches:„Bravo, mein Hundchen!“ ertönte, ſodann harmoniſches Geklapper von Tellern und Löffeln erklang und,— wie es ſchien— Hund, Dame, Mörder ſich fröhlich und guter Dinge zum Speiſen begaben. „Heute hat er's vortrefflich gemacht; heute ſoll er ein großes Stück Fleiſch haben!“ Dieſe verſöhnlichen Worte entquollen— zwiſchen jedem ein Löffel voll Suppe als Gedankenſtrich— dem heiſeren Munde des Mörders. In Anton ging das Bewußtſein auf, abermals mit „Seinesgleichen“ in Berührung zu gerathen. Er wendete 1*


