Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
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Bei Anton, dem überraſchten Neuling, ſchien die erſte Wirkung des ſicheren, ungeſtörten Beſitzes günſtig, ſie gab ihm die Haltung eines neuvermählten zufriedenen Gatten.

Für Laura, wo der Reiz dieſer Täuſchung nicht vor⸗

waltete, wurde ſchon der Anfang ihres Honigmondes

bedenklich. Der kleine Krieg gegen die Mutter hatte ſie ſo hübſch beſchäftiget; jetzt gab es keine Aufpaſſerin mehr, die jeden verbotenen Blick, jeden inbrünſtigen Seufzer überwachte. Dafür lauerte bereits der Ueberdruß und gähnte ſchon bisweilen hinter den Gardinen hervor. Sein Glück recht aus dem Vollen zu genießen, hatte unſer Paar ſich gleich in M. feſtgeſetzt. Violinenſpiel,

Geſang, Guitarrengeklimper, Lectüre ſollten ſich anderen

Blumen gleich durch die Roſen der Liebe ſchlingen. Wäre nur irgend eine Störung von außen eingedrun⸗ gen; hätte nur irgend ein verdrüßlicher Umſtand ſie gütigſt beunruhigen wollen? Doch ſo gut ſollt' es ihnen nicht werden. Vor lauter Seligkeit und Wonne geriethen ſie ſchier in Verzweiflung.

Anton, zu wahr und ehrlich, um eine Zufriedenheit zu erheucheln, die ihm fehlte, und deren er ſeine ſchöne Hälfte ſchon früher verluſtig geſehen, öffnete nach einigem Kampfe ſein Herz:

Was ſoll aus mir werden, begann er eines Morgens, was ſoll aus mir werden, Laura? Ich empfinde in mir

eine Leere, welche ſogar durch Deine Gunſt und Deinen

Beſitz nicht ausgefüllt ſcheint? Ein Ziel müſſen wir uns doch ſetzen, einen Zweck muß ich doch ſuchen, den ich