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ſte. Jean erhielt Geld und die Weiſung, ſich auf eigene Hand nach London zu begeben.
Der Abſchied war herzlich genug, aber kurz, reſolut, wie er es immer bei Perſonen iſt, die ſeit ihrer Geburt an Trennung, Entfernung und Wiederſehn gewöhnt ſind.
Anton, theils aus aufrichtiger Anhänglichkeit für ſeine Wohlthäterin, denn das war ihm die Simonelli wirklich geweſen, theils aus Verlegenheit, ſeiner peinlichen Stellung wohl bewußt, verſuchte dem Lebewohl einige ſchwiegerſöhnliche Färbung zu geben, wurde jedoch mit dieſem Verſuche völlig in die Flucht geſchlagen.
Junger Mann, redete die rüſtige Frau ihn an, bevor ſie in den Wagen ſtieg, wir ſcheiden freundlich, doch nicht als Freunde. Ich kann Denjenigen nicht für einen Freund meines Hauſes anſehen, der ſich zwiſchen mich und meine Tochter ſtellte. Als Laura wider meinen Wunſch Madame Amelot wurde, ſagt' ich ihr voraus, was geſchehen iſt. Diesmal will ich nicht prophezeien; das Verdienſt, die Wahrheit vorher zu künden, wäre zu gering. Uebrigens wünſch' ich Euch gute Reiſe und viel Vergnügen,— ſo lang es dauert!
Der Poſtillon ſtieß in's Horn.
Laura und Anton blieben ſich ſelbſt überlaſſen und ihrer Zärtlichkeit,— und das war vielleicht das Schlimmſte, was ihrer jungen Liebe, ſollte ſie ja zur alten reifen, widerfahren konnte. Von der Stunde an, wo jedes Hinderniß verſchwindet, welches Sehnſucht von Gewährung trennt, beginnt auch gewöhnlich die Sehn⸗ ſucht zu ſchwinden.
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