Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Nacht gewachſen, daß die Bewohner der Hütten am un⸗ teren Ufer kaum Zeit gefunden, ihr Leben zu retten. Die hölzernen Häuſer ſchwammen ſtückweis auf dem Strome fort. Bildhauers Neubau war zuſammengeſtürzt, von den Seinigen Niemand gerettet, weil dies Haus am tiefſten gelegen. Chriſtinens Leichnam ſpülte das Waſ⸗ ſer eine Meile weiter hinab auf eine Wieſe. Die Uebri⸗ gen wurden nicht gefunden, auch Deine Mutter nicht, lieber Anton.

Hier brach die alte Gokſch ihre Erzählung ab. Sie konnte vor Schluchzen nicht weiter ſprechen.

Anton hatte keine Thränen. Schweigend erhob er ſich vom Boden, wo er geſeſſen, ſiel ſeiner Großmutter um den Hals, drückte einen langen Kuß auf ihre welken

Lippen. Dann gingen ſie mit einander in's Häuschen,

und ohne eine Schnitte Brot zu berühren, legten ſie ſich auf ihr reinliches Lager, während die Vögel auf den Bäu⸗ men rings umher ihnen ein Abendlied zwitſcherten.

Drittes Kapitel. Als am nächſten Morgen die alte Frau erwachte,

fand ſte ein Blatt Papier mit Stecknadeln an ihre Bett⸗

decke geheftet, worauf in großen Lettern zu leſen ſtand: Liebe Großmutter, Anton iſt hinaus in den Wald gegangen und wird vor Abend nicht zurückkehren. Mach' Dir keine Sorgen um mich. Die Einſamkeit ſoll mir gut thun. Morgen bin ich wieder fleißig bei mneinen Körben.