Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
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ſchrift. Nun wurde mir augenblicklich klar, was Deine Mutter ſo ſpät am Abend noch bei Bildhauers gewollt. Sie, die auch nicht das geringſte Geſchenk von ihrem Liebhaber angenommen, war empört über ſolche unge⸗ rechte Vorwürfe; war empört über die Habſucht der Bild⸗ hauerleute, die gewiß falſches Spiel geſpielt und in Net⸗ tens Namen dem jungen Grafen das Geld abgebettelt hatten, womit ſie ſich aus ihrer eigenen Noth geriſſen. Das war mit Händen zu greifen: Deine Mutter wollte ſie zu einem Geſtändniß zwingen; deshalb der nächtliche Beſuch. Aber warum kehrte ſie nicht zurück? Das blieb mir ein Räthſel. Hielt das ſchlechte Volk ſie vielleicht

mit Gewalt? Hatte man ſie vielleicht eingeſperrt, um ſie

durch Drohungen zum Schweigen zu bewegen?

Es litt mich nicht. Deinem Großvater ſchärft' ich ein, auf Dich Acht zu haben, und in des Heilands Namen begab ich mich auf den Weg, trotz Wind und Wetter. Ich mußte durch's Städtchen gehen, um aus unſerer Vorſtadt nach der Brücke zu kommen. Auf dem Wege fand ich Alles in Allarm. Weiber ſtanden vor den Thüren und erzählten ſich mit jammervollen Geberden, Männer, Jungen rannten mit langen Stangen, mit Haken, mit Aexten bewaffnet durch die Gaſſen. Auf meine ängſt⸗ lichen Fragen, was es doch gäbe, vernahm ich nur einen Ruf: Das Waſſer! Das Waſſer!

Und als ich nun die Brücke erreichte, bis oben hinauf, ſchier bis an die hohe Wölbung drängte ſich die Fluth, ſo gelb, ſo trübe, wie ich ſie im Traume geſehen.

Uunten war Alles ein Meer. So ſchnell war es über