Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

noch, wo ich Dir's beſchreibe, fühl' ich den Stoß, den mir's damals in's Herz gethan! Ich ſchau' hinab und ſehe einen Cornet von den Huſaren, ein Bürſchlein, nicht älter als Du heute biſt, ſchlank wie eine Tanne, aus Bild⸗ hauers Thüre treten; der dreht ſich faſt den Kopf aus den Schultern und ſtarrt empor nach der Brücke, wo ich ſtehe. Sowie er meiner anſichtig wird, macht er links um, und huſch iſt er im Hauſe wieder derin. Mir bra⸗ chen ſchier die Knie' zuſammen unter meines Leibes Laſt,

und ich mußte das letzre Reſtchen Kraft aufbieten, um

weiter zu geh'n.Wird ſie zu Hauſe ſein? Das war der einzige Gedanke, den ich faſſen konnte. Er kam mir auf die Zunge. Schritt vor Schritt ſprach ich weiter Nichts, als: heiliger Gott, wird ſie zu Hauſe ſein? Denn war ſie nicht daheim, dann war ſie zu Bildhauers ge⸗ gangen, und dann wußt' ich, woran ich war. So bieg' ich Dir um die Eckgpin's kleine Gäßchen ein, das nach dem Kirchhofe führt, und eilig, wie ich bin in meiner Todesangſt, renn' ich an ein Frauenzimmer an, das ver⸗ blüfft vor mir ſtehen bleibt: es war meine Tochter! Wo⸗ hin ſo ſpät, Antoinette? ruf' ich ihr heftig in's Geſicht; und ſie, roth wie ein gekochter Krebs, ſtammelt nur: Dir entgegen, Mutter. Na, ſo komm', ſprech' ich und reiße ſie mit mir fort und halte ſie ſo feſt am Arme, als ob die ganze Schwadron am andern Arme zöge! Der Vater war zu Biere gegangen. Ich hatte ſie allein, nahm ſie heftig in's Gebet. Doch ſie hielt ſich ſtandhaft; ſie leugnete mit Feſtigkeit, und ich ließ mich täuſchen. Ließ mich täuſchen, weil ich bei der ſchärfſten Aufmerkſam⸗