15
genügte ihr. Sie erwiderte den fragenden Blick ihrer Tochter; Beider Augen fanden ſich und dieſe zwei Augenpaare verſuchten ſodann einen kleinen Streifzug in's Gebiet väterlicher Autorität. Dort aber ſah es aus wie in Feindes Lande. Herr Reichenborn ſchnitt dem Flüſternden und den Aeugelnden ſein furchtbar⸗ ſtes Familiengeſicht. Da war auf einigermaſſen freund⸗ liches Entgegenkommen nicht zu hoffen. Mama gab ſogleich jeden Verſuch auf und machte ſich noch ein⸗ mal an den Kirſchkuchen. Die Tochter kämpfte wohl, oder in ihrer Bruſt kämpften Erinnerung an ſchwer⸗ verletzende, nicht vergeſſene Schmach und Kränkung mit neuerwachender Zärtlichkeit für den(wie es ſchien,) reuig zurückkehrenden Bewerber. Es hätte in dieſem Kampfe möglicherweiſe beleidigter, jungfräulicher Stolz über nachgiebige Schwäche den Sieg davon tragen können, wäre Vater Reichenborn minder bärbeißig,— wäre dem biederen Philiſter in Guſtav nicht ſchon der zweite Windbeutel während dieſes Gartenconzertes erſchienen, was ihm zu viel wurde. Des alten Herrn höchſt unartiges und abſtoßendes Benehmen mußte durch Artigkeit von ihrer Seite ausgeglichen werden; daruͤber dachten Mutter und Tochter gleich; wenn aus keinem anderen Grunde, doch ſchon deßhalb, damit der junge Herr nicht wähne, man zürne ihm, weil er


