255
zu regen; hier und da blickten Waſſerſpiegel durch, neben Blöcken, die ſich uber Blöcke thürmten. Ich ſah hinunter auf den Kampf der lebendigen Fluth mit dem ſtarren Eiſe. Gellend durchſchnitt ein Schrei die naßkalte Luft und das arme Weib ſtürzte ſich über die Mauer der Brücke. Sie verfehlte ihre Abſicht in den Wogen unterzuſinken; ſie fiel auf hartes Eis und brach beide Beine. Ein Soldat eilte vom Ufer nach zu ihr hin. Ehe er ſie erlangen konnte, ehe er ſie auflud, hatten ſich neue Lücken gebildet und die Rückkehr bis an's Land war nicht ohne Gefahr. Flehend rief die Unglückliche und angſtvoll: nehmt Ench nur in Acht, daß wir nicht ertrinken!— Wie thöricht erſchien es mir damals, daß dieſelbe, die vor wenig Minuten den Tod ſuchte, ihn jetzt fürchtete, wo ſte, verſtüm⸗ melt und leidend, noch viel hoffnungsloſer ſchien, als vorher. Und bin ich nicht thörichter als jenes Weib? Sie hatte ja nur die Beine gebrochen! Mir iſt das Herz gebrochen, das Leben, die Ehre... und den⸗ noch will ich nicht ſterben?... Nein, wozu die Lügen gegen mich ſelbſt? Ich vermag nicht, mich um⸗ zubringen; ich muß weiter fortleben! Und ich werde!“— Franz Sara lag angekleidet auf ſeinem Bett, als Herr von Schwarzwaldau in's Jägerzimmer ein⸗ trat; ſchien zu ſchlummern und regte ſich nicht. Emil warf Guſtav's durchlöcherte Kappe auf


