Teil eines Werkes 
1. Bd. (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

245

mit der Wehmuth eines Kindes, dem die junge Mutter, die Führerin, die milde, zärtliche Veredlerin geſtorben.Nun bin ich ein Verlorener! hieß der jedesmalige Schluß ſeiner Klagen, durch welche aus heißen Thränen ſchon das Geſtändniß herausklang: er werde ſich in tolles Leben und wilde Zerſtreuun⸗ gen werfen, um zu vergeſſen! Emil's Gram war keinesweges ſo einfach und natürlich; man könnte ihn raffinirt nennen. Doch wie viel und wie wenig davon wirklich bis auf den Grund ſeiner Seele gegangen ſein mag, drei rothe Blutflecke hafteten entſchieden auf der leeren, farb⸗ und freudeloſen Fläche, die wenn er der einſamen Zukunft gedachte vor ihm lag: Erſtens Agneſens grauenhafter Tod und die Trennung von ihr, deren Jugend neben ihm, durch ihn, ohne Ju⸗ gendglück geblieben; zweitens die bevorſtehende Ab⸗ reiſe Guſtav's! Denn daß dieſen keine Macht, keine Bitte mehr in Schwarzwaldau feſthalten werde, ließ ſich leicht errathen; drittens endlich, und das war der Dunkelſte der drei blutigen Flecken: die Furcht vor Guſtav's ruhmrediger Eitelkeit, die über kurz oder lang, im wüſten Verkehr mit ſeines Gleichen, aus⸗ ſchwatzen könne, wie nahe er der Verſtorbenen ge⸗

ſtanden und wie dieſes zweideutige Verhältniß von

einem mehr als gefälligen Gatten geduldet worden