Schwarzwaldau. Zwanzigmal in einer Stunde zog er die Uhr, um nachzuſehen, ob dieſe Stunde nicht raſcher vorübergehen wolle, als ihre bleiernen Schwe⸗ ſtern? und jedesmal wiederholte er kopfſchütteind: „vulnerant omnes.“
„Was heißt das?“ fragte Guſtav, nachdem er es oft genug gedankenlos mit angehört, gerade da ſie endlich nach Sonnenuntergang auf dem Rückwege den ſchon zu Schwarzwaldau's Gebiete gehörigen, ſogenannten Herrenwald erreicht hatten, der einen mäßigen Hügel,— den einzigen dieſer flachen Ge⸗ gend— bedeckt.„Was heißt: vulnerant omnes?“
„Sie verwunden alle, heißt es,“ erwiderte Agnes. „Sie verwunden alle, die letzte tödtet, ultima necat. So weit reicht mein Latein; weiter nicht.“
„Alſo ſind Wunden damit gemeint?“
„Allerdings.“
„Dann hat der alte Herr, der dieſen weiſen Wahlſpruch ausheckte, über einer Dummheit gebrü⸗ tet. Alle verwunden nicht. Es giebt denn doch einige.... 4
„Und wer bürgt dafür,“ unterbrach ihn Agnes, „daß dieſe nicht gerade die tiefſten, ſchmerzlichſten Wunden hinterlaſſen, wenn auch unſichtbare?“
„Ja wohl, ja wohl!“ ſeufzte Emil— und ließ 1856. I. Schwarzwaldau. I.


