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wieder. Was ſie mir mit ſüßen Stimmen aus der Kindheit entgegenriefen, wies ich zurück, wie Kinder⸗ geſchwätz; ſtellte mich taub gegen ihre Melodieen; verhärtete mich gegen vernehmliche Bitten. Ich habe gelogen, da ich Gleichgiltigkeit heuchelte, wo mein Herz nie verſtummte. Ich wäre bei der Lüge geblie⸗ ben, zwänge mir nicht die Ehrfurcht für meinen Va⸗ ter ein Geſtändniß ab. Ich liebe Mathilden, habe ſie geliebt, auch als ich ſie vergeſſen hatte; liebe ſie, wie man ſeiner Jugend himmliſche Reinheit liebt. Fort mit der Lüge! Mathilde, bleibe auch Du bei der Wahrheit, die Dich ſo ſchön kleidet. Bekenne dieſem alten Manne, daß es nur Reſignation war, die Dich in ſeine Arme trieb; daß die Geringſchätzung gegen mich Undankbaren Deine Verehrung für meinen Vater bis zur Verirrung ſteigerte; daß Du Dich opfern wollteſt, dem Irrthum eines Grei⸗ ſes und Deinem eigenen,— nur um die Liebloſig⸗ keit eines jungen Mannes zu beſtrafen. Unſelige, dieſe Strafe träfe nicht den Strafbaren allein; ſie träfe auch ihn, den Du bethörteſt; ſie träfe auch Dich, die im Opfer keinen Troſt, in der Rache keine Ruhe finden würde. Bekenne ihm, daß es meine, nur meine Briefe ſind, die Du ſorgſam geſammelt, die Du innig, heimlich erwiedert, treuliebend bewahrt


