Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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in den Wagen, ſtellte ſich dem Feſtgeber als Kam⸗ merherr vor, empfing die Glückwünſche der Ver⸗ ſammlung, auch der Eltern ſeiner Geliebten, es fehlte nicht viel, ſo wurde die Verlobung gefeiert! Schwindlich von Wonne langte er gegen Morgen in ſeiner Wohnung an, holte ſeinen Schatz hervor und überlas die beiden wichtigen Zeilen noch einmal bei heller Beleuchtung. Dießmal las er: ‚Ich finde mich nicht veranlaßt, die von Ihnen nachgeſuchte Kam⸗ merherren⸗Würde Ihnen zu ertheilen!

Aehnlicher Gefahr ſetzte ſich Graf Eichengrün keinesweges aus Seine Kerzen gaben noch genügen⸗ des Licht und er vermochte mit feſtem Blicke zu leſen:

DOb ich Sie liebe, Graf? Das ſchreibt ſich nicht, das ſagt ſich nur.

Das Zettelchen, worauf dieſe verführeriſchen Worte, von bunten, vergoldeten Arabesken, wie die Inſchrift auf einer Wand des Alhambra, umflochten prangten, legte er auf den Schlangenbiß undalle Leiden ſchienen beſchwichtiget.

Nun begann eine zweite Woche, wo die ſtahl⸗ brunner Geſellſchaft den Grafen entbehren mußte. Aber nun fehlte er nicht allein. Die Baronin ahmte