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ihn nach. Daß ſie in ihrer Wohnung weilte, konnte nicht unbekannt bleiben. Daß Graf Eichengrün ſich viel bei ihr aufhielt, wußte man. Daß Baronin Stjern⸗ holm nicht lange ſäumen werde, Gräfin Eichengrün zu heißen, vermuthete man. Sie hatte keine Eltern, die vom künftigen Schwiegerſohne verlangten, daß er Kammerherr ſei. Und hätte ſie deren gehabt, ſo konnte der Majoratsherr auf Eichenau ſchon längſt mit dem wirklichen Geheimerath aufwarten. Da bedurfte es keiner Kabinetsordre, da gab es kein Hinderniß, da gab es nur ein unzweifelhaftes, von allen Seiten beneidetes, von allen Zungen bekritteltes, vielleicht auch einwenig beſpötteltes Brautpaar. Wenigſtens einen ‚für ſehr verliebt, ſehr nachſichtig, ſehr ſchwach geltenden Bräutigam in mehr als reifen Jahren.“ Auch wurde verbreitet, ſein verſtorbener älteſter Sohn habe eine Witwe und zwei Kinder zurückgelaſſen, und die beiden Enkel würden am Polterabende Amor und Pſyche darſtellen.
Die gute Paſtorin hatte viel zu hören, und ſich viel zu ärgern; glücklicherweiſe immer aus an⸗ gemeſſener Ferne. Denn ſeitdem Graf Eichengrün mit ſeinem vermittelnden Einfluſſe ausblieb, war es beinahe ſo weit gediehen, wie Herr von Gluckammer,
von oben und unten gleich in Anſpruch genommen,


