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zu verderben; andere wieder aus Feigheit, wie man den Zahnarzt wegſchickt und den Peiniger im Munde behält.— Ich hatte einen Bekannten, deſſen nächſte Zukunft von einer Entſcheidung des Monarchen be⸗ ſtimmt werden ſollte. Ob ihm der erbetene Kammer⸗ herren⸗Schlüſſel ertheilt würde, oder verweigert, davon hatten Eltern ihre Einwilligung zu ſeiner Heirat mit ihrer Tochter abhängig gemacht; nicht aus nich⸗ tiger Titelſucht, ſondern weil die Gewährung den Beweis liefern ſollte, daß gewiſſe Antezedentien ver⸗ geben und vergeſſen wären. Kompetent kleidete ſich zu einer Aſſemblee an, als der Briefträger ihm die erſehnte Kabinetsordre brachte. Er ließ ſie liegen, feſt entſchloſſen, erſt nach dem Balle ſie zu leſen. Schon eilte er dem ihn erwartenden Wagen zu,— da überkam ihn plötzlich der Gedanke: wie wenn Du heute Abend verkünden dürfteſt, was Du erfleht haſt? Er kehrte um,— ſein Diener konnte nicht raſch ge⸗ nug mit dem Leuchter folgen,— er ſtürzte an ſeinen Schreibtiſch,— riß das Kouvert auf,— las beim ſchwachen Schimmer einer trübe brennenden Kerze:„Ich finde mich veranlaßt, die von Ihnen nachgeſuchte Kammerherren⸗Würde Ihnen zu ertheilen,— küßte die eigenhändige Unterſchrift ſeines Königes,— legte das beglückende Blatt in den Schub,— warf ſich


