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rannte wüthend durch die Berge, und da er endlich das Ungethüm in heftigem Zorne von ſich ſchleuderte, biß es vorher noch ihn recht fühlbar in die Bruſt.
Die Wunde brachte er von ermüdendem Irrlaufe mit nach Hauſe. Lobeſam hatte keinen Balſam dafür. Sie brannte wie Feuer und entzündete durch ihre Glut alle Leidenſchaften. In ſolchem Drange wurde obbenannter ‚dummer Streich' empfangen und geboren: Graf Ulrich ergoß, was ihn durchtobte, in einem mächtig⸗langen Schreiben, welches Lobeſam nach des Glasſchleifers Hauſe zu befördern hatte. Es war von bedeutendem Umfang und glich aufs Pünktchen einem herrſchaftlichen Erlaß an ‚hochgräfliches Kameralamt zu Eichenau.“ Was eigentlich darin geſtanden, vermag Verfaſſer dieſes Buches umſoweniger zu berichten, als es der Verfaſſer des Schreibens ſelbſt nicht mehr genau wußte, nachdem er es mit Siegel und Auf⸗ ſchrift verſehen. Es war unter dem Einfluſſe allzu⸗ heftiger Kämpfe hingeworfen. In ſeinen Grundzügen aber muß es doch mehr Liebe als Zorn gewieſen haben, denn ſonſt hätte unmöglich nach Verlauf einer Stunde ſchon die Antwort da ſein können. Sie langte an, da es zehn Uhr ſchlug, und der Haushofmeiſter bereits die Nachtmütze auf dem Kopfe ſitzen hatte, die er auch abzulegen vergaß, als er, höchſt erſtaunt
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