12 angebeteten Mutter fallen kann, dann braucht ſie nichts mehr, dann iſt ſie reich, dann hat Gott ſie vollaufgeſegnet für jede Entbehrung, für jede häus⸗ liche Freude, die ihr ſonſt verſagt blieb. So liebte ich meinen Hermann. Und ich verlangte nichts von ihm, gar nichts,— nur daß er wiſſe, daß er em⸗ pfinde, was er mir galt. Ja, hätt' er, ich weiß nicht was begangen; hätt' er das Aergſte gethan— geraubt und gemordet— und wäre mir mit Schmach und Blut befleckt auf öffentlichem Markte in die Arme geſtürzt, ich hätt' ihn nicht verleugnet. Aber daß er mich verleugnet, daß er in gemeſſenen, wohl⸗ erwogenen Ausdrücken, in durchdachter Ueberlegung Briefe an mich ſchreibt, in denen von allem die Rede iſt, nur von dem Einen Einzigen nicht, was ich her⸗ ausleſen möchte: von kindlichem Vertrauen, von un⸗ befangener offenherziger Anhänglichkeit; daß er ein kluger, beſonnener, fühlloſer Weltmenſch geworden iſt,— werden konnte... Wiesner, es bringt mich um. Ihm wollt' ich's geſtehen. Wie viele Briefe hab' ich entworfen, die ihm ſchildern ſollten, was in mir vorgeht! Immer warf ich die Feder wieder fort: es iſt unnütz! Er verſteht mich nicht mehr. Denn beſäße er noch die Fähigkeit zu begreifen, worin mein Leiden beſteht, er wäre dann auch unfähig, es mir
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