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auf die Seite hin, wo der Weg von der Chauſſee herüberführt. Sie meinte, ſie wollte den Grafen Hermann beim Wegweiſer erwarten; dort hätte ſie vor eilf Monaten von ihm Abſchied genommen und dort wollte ſie ihn wiederſehen.“
Der Graf ſchüttelte wohl den Kopf, aber nichts⸗ deſtoweniger machte er ſich doch auf, ſeiner Schweſter zu folgen. Er fand ſie denn auch am Rande des Chauſſéegrabens auf einer improviſirten Bank von ausgeſtochenen Raſenſtücken ſitzend, ſeinen Haushof⸗ meiſter Lobeſam in ehrerbietiger Entfernung und Haltung vor ihr ſtehend. Schon von weitem rief ſie ihm entgegen:„Gott zum Gruß, Bruder Ulrich, das iſt ſchön, daß Du auch da biſt; nun können wir unſern Hermann mitſammen empfangen. Setz Dich zu mir auf dieſes Kanapee. Dein Tauſend⸗ künſtler und Faktotum hat's aufgerichtet, weil mein altes Pedal nicht mehr taktfeſt war. Wenn der Chauſſéewärter früher des Weges kommt, als den wir erwarten, ſo ſchilt er freilich; aber ich mache ihn ſchon wieder gut, denn er kennt mich. Ver⸗ gangenen Sommer hab' ich ſeinen Kindern manchen Groſchen zugeſteckt, als ich mit meinem Kavaliere promenirte. Das waren gute Zeiten, wie der Her⸗ mann keine größere Freude kannte, als ſeine grau⸗


