Teil eines Werkes 
1. Th. (1822)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

Schmerzvoll mußten ihm nun Luiſens Mit⸗ cheilungen uͤber den noch immer vorherrſchenden Kummer ihres Bruders ſeyn, um ſo ſchmerzvoller noch, da er dieſe Krankheit, welche die traurig⸗ ſten Folgen drohete, dem eignen Mangel an Feſtig⸗ keit in der Erziehung zuſchrieb. Es war nur zu ſichtlich, daß der Freiherr auch in der letzten Nacht, anſtatt die ihm ſo heilſame Ruhe zu ſuchen, mehrere Stunden in der Capelle zugebracht hatte, gelehnt uͤber den kalten Marmor, welcher die Ueberreſte der geliebten Blanca von Frei⸗ burg deckte. Hier hatte er friſche Blumen ge⸗ ſtreut, und hier mit unvermindertem Schmerz Thraͤnen vergoſſen, obgleich ſchon drei Jahre ver⸗ gangen waren, ſeit ihre Huͤlle der Erde wieder⸗

gegeben war. Moͤge die heilige Jungfrau ihm Troſt und Kraft verleihen, rief der fromme Moͤnch,und unſere Seelen mit den beſten Mitteln erleuchten, ihn vom irdiſchen Schmerze abzuziehen!

Auf die oft erprobte Folgſamkeit ſeines Zoͤg⸗ üngs bauend, beſchloß er eine mehr als gewohn⸗ lich ſtrenge Miene anzunehmen, und ſo den Ein⸗ fluß zu benutzen, deſſen Erfolg er ſich bei fruͤheren