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edlen, alten Stammh⸗ mehr vorhanden, als eine einzige Schweſter, die ſchoͤne, liebenswuͤrdige Luiſe. Kein Wunder alſo, daß die, welche ſich unter der gegenwaͤrtigen Herrſchaft ſo begluͤckt fuͤhlten, bei dem bloßen Gedanken zitterten, viel⸗ leicht in die Haͤnde einer andern uͤberzugehen. Luiſe war wahrhaft ſchoͤn, denn die reinſte Seele leuchtete aus den edelſten Zuͤgen hervor. Der Schnitt ihres Geſichts haͤtte einem griechiſchen Kuͤnſtler zum Vorbilde dienen koͤnnen, waͤhrend die zarten Farben der Lilie und Roſe in ihrer Haut wetteiferten, und dem Ganzen einen unendlichen Reiz verliehen. Eben ſaß ſie heute, am Feſte des heiligen Alexis, auf den Waͤllen ihres Schloſſes, und vergoldet vom Strahl der untergehenden Sonne, flatterte das hell kaſtanienfarbne Haar, in natuͤrlichen Locken um Stirn und Schultern. Niemand war bei ihr als die treue Kammerfrau, die Gefaͤhrtin ihrer Kindheit und Jugend; ihre uͤbrige Dienerſchaft hatte ſich auf ihren Befehl unter die bunte Schaar auf der Wieſe gemiſcht. Waͤhrend ſie nun in ſanfter Behaglichkeit auf die Froͤhlichen ſchauete, denen die Guͤte ihres abwe⸗ ſenden Bruders dies Feſt bereitet hatte, ſtieg ein 1 X


