Druckschrift 
Im Schnee begraben! : nach einer wahren Begebenheit seinen jungen Freunden erzählt / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

verſchloſſen hatte, begab ich mich in die Küche zurück, wo ich nun keinen, keinen Gefährten mehr hatte, als meine arme Blanchette.

Obgleich ich mich jetzt ein wenig ruhiger fühlte, ſeit der Leichnam nicht mehr auf dem Bette lag, ſah ich doch bald, daß ich meine Schwäche noch nicht gänzlich überwunden hatte. Ich fürchtete mich noch immer, und nur aus Furcht hatte ich die Thür der Milchkammer zugeſchloſſen. Dieſer Schwachheit mußte ich Herr zu werden ſuchen, und faßte einen energiſchen Entſchluß. Ich entriegelte die Thür wieder, hielt ſie nur durch den Drücker verſchloſſen, nahm mir vor, dem Grabe täglich, und zwar immer ohne Licht, einen Beſuch zu machen, und wenigſtens Morgens und Abends mein Gebet an ihm zu verrichten. Seit zwei Tagen habe ich es ge⸗ than, und ich fühle, daß ich mich überwinde, daß meine Ruhe allmälig zuruckkehrt. Nur der traurige Gedanke noch, daß ich allein, ganz allein bin, verfolgt mich noch

immer den ganzen Tag, und laſtet mit Centnerſchwere

auf meinem Herzen.

So weit das Tagebuch des armen Jaques, in wel⸗ chem er ein ſchwaches Bild von den ſchrecklichen Stun⸗ den entwirft, die er allein an der Seite des Todten in furchtbarer Einſamkeit verlebte. Er verſank nun in eine tiefe Niedergeſchlagenheit, die er vergeblich durch Wiederaufnahme der Arbeiten, welche der Tod des

Großvaters unterbrochen hatte, zu beſeitigen ſuchte. Es

wollte ihm nicht glücken, ſeine traurige und entmuthigte

Seele aufzufriſchen, und ganze Tage lang ſaß er in

dumpfem Brüten da und ſtarrte in das Feuer ſeines SHKeerdes hinein, ohne ſich irgend eines klaren Gedankens bewußt zu werden.

8