109
nieder und ſchlief, wie in der vorigen Nacht, ungeſtört und feſt. 4
Am darauf folgenden Morgen verſuchte ich mein Tagebuch zu ſchreiben; aber ich mußte es verſchieben bis auf heute, wo mein Geiſt etwas ruhiger und ge⸗ faßter iſt. Gebete zu Gott gaben mir Muth und Faſ⸗ ſung zurück; meine Aufregung legte ſich allmälig, und die Furcht verwandelte ſich, wie mein guter Großvater voraus geſagt hatte, in Trauer und Betrübniß.
Oh, wie viele Thränen habe ich über deinem Kör⸗ per vergoſſen, mein theurer, unvergeßlicher Freund! Ich konnte mich nicht von ihm trennen! Aber endlich mußte ich trotz meines Widerſtrebens an ſeine Beſtattung den⸗ ken, indem ich mich des Wortes in der heiligen Schrift erinnerte, wo geſchrieben ſteht: der Leib muß zurückkeh⸗ ren zur Erde, von der er genommen iſt.
Ich nahm meine Werkzeuge, und öffnete die Thür zur Milchkammer.„Verſchiedene Berufe haſt du zu erfüllen,“ ſagte ich zu mir ſelbſt, als ich über die Schwelle trat.„Erſt Krankenwärter, dann Arzt, und jetzt ſogar Todtengräber!«
Die erſten Schläge, die ich that, trafen mein Herz; ich mußte aufhören. Nicht die Arme verſagten mir ihre Dienſte, nein, mein Geiſt erlahmte, und der Schmerz raubte mir alle Thatkraft. Jeder Schlag auf die Erde verurſachte einen dumpfen Wiederhall in der Milchkam⸗ mer, die gewoͤlbt war, wie ein Keller. Ich mußte mich erſt an dieſes Geräuſch gewohnen, und faſt den ganzen Tag verbrauchte ich zu einer Arbeit, die mich ſonſt kaum zwei Stunden hindurch beſchäftigt hätte. In der That war der Boden ſo leicht und ſandig, daß ich ihn mit der Schaufel auf die Seite ſchaffen konnte,


