20 alten Vater eine mit Stroh umfſlochtene Flaſche, welche
nooch etwa zur Hälfte mit Wein angefüllt war.
»Nehmen Sie, behalten Sie dieß, Vater!“ ſagte er. „»Die gute Mutter gab mir die Flaſche in dieſem Früh⸗ linge mit, als ich auf die Berge ſtieg, und zum Glück iſt noch etwas von ihrem Inhalte übrig. Für mich be⸗ darf ich keinen Wein, und Ihnen wird er vielleicht gute Dienſte leiſten. Die arme Mutter! Als ich ſie verließ, und ſie mir mit den letzten Abſchiedsworten
dieſe Erquickung reichte, dachten wir Beide nicht, daß
ſie vier Wochen ſpäter in der kühlen Erde ruhen, daß ich ſie nicht wiederſehen würde! Nehmen Sie, Vater, es iſt ein Geſchenk der Verklärten, und nun— lebt wohl!«
Zum letzten Male umarmte Francois ſeinen Vater, und dann eilte er hinaus, um die Kühe aus dem Stalle zu treiben. Jaques folgte ihm auf dem Fuße nach, und leiſtete ihm Beiſtand. Bald waren die Thiere los⸗ gekettet und eilten in's Freie hinaus. Sie ſchienen verwunderte Augen zu machen, als ſie weit und breit Alles mit Schnee, bedeckt ſahen, und ſtanden einige
Augenblicke wie verdutzt da. Der Ruf des Hirten
brachte ſie aber bald in Bewegung. Sie begriffen ohne
Zweifel, daß es nach Hauſe gehen ſollte, und ſprangen
luſtig umher und rund um die Sennhütte herum. Fran⸗ cois hatte einige Mühe, ſie wieder zuſammen zu brin⸗ gen. Als es geſchehen war, umarmte er noch einmal ſeinen Knaben und drückte ihn mit väterlicher Zärtlich⸗
keit an ſein Herz.
»Gott behüte dich, Jaques,“ ſagte er,„dich und Großvater! Ich will dir keine Vorwürfe über eine geſtrige Unbeſonnenheit machen, obgleich ſie die


