Die Antwort des Kaiſers war, daß der Landgraf von Heſſen und ich ſelbſt in die Acht erklärt wurden, weil wir Rebellen, Meineidige und Hochverräther wären, ihm Krone, Scepter und alle Gewalt nehmen und an uns bringen, und am Ende Jeder⸗ mann unter unſere Tyrannei zwingen wollten. Wir lachten über die Achtserklärung, durch welche der Kaiſer die alten Rechte des Reiches verletzt hat, indem er ſie nicht ohne Bei⸗ ſtimmung eines Fürſtengerichts ausſprechen darf. Aber zu⸗ gleich rüſteten wir auch in Eile, da des Kaiſers Abſichten nun nicht mehr zu bezweifeln waren, und jetzt gilt es nun Gewalt gegen Gewalt, Schlag gegen Schlag im offenen Kriege.“
„Ihr verkennt den Kaiſer, theurer Freund,“ nahm Fürſt Wolfgang das Wort.„Hat er in der Hitze des Streites nicht immer jegliches Wort auf die Wagſchale gelegt, ſo habt Ihr ihn durch eine ſchwere und gewichtige Beſchuldigung erſt dazu gereizt. Ihr mußtet ihn nicht anklagen, daß er beabſichtige, die Freiheit und die Rechte des deutſchen Reichs zu unter⸗ drücken; denn Solches iſt ihm gewiß niemals in den Sinn ge⸗ kommen.“
„Gleichviel! Gleichviel!“ erwiderte der Churfürſt eifrig. „Jetzt gilt es den Kampf auf Leben und Tod, und ein fried⸗ licher Rückſchritt iſt nicht mehr möglich. Mit mir möge ge⸗ ſchehen nach dem Willen Gottes, und im Vertrauen auf ſeine Hilfe und unſere gerechte Sache will ich mein Glück und mein Leben auf das Spiel ſetzen. Ihr aber bleibt ruhig daheim, und wenn Ihr mir einen Freundſchaftsdienſt erweiſen wollt, ſo habt ein wachſames Auge auf meine Länder und den Moritz, dem ich am Ende, wie ich beinahe fürchte, doch zu viel getraut habe.“
„Herr,“ ſprach Wolfgang, und preßte mit Wärme des Churfürſten Hand in der ſeinigen,„Herr, noch iſt's Zeit, noch könnt Ihr umwunden, und könnt Ihr in Ehren Frieden zwi⸗ ſchen Euch und dem Kaiſer ſtiften, da noch kein Schwertſtreich


