Druckschrift 
Wohlthun trägt Zinsen : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

19

drang durch die Wolken empor bis zum Throne des Höoͤchſten.

Noch rief er den Herrn an in der Noth, da ſchall⸗ ten plötzlich Schritte auf der menſchenleeren Straße, und ein Mann, der an der einen Hand ein kleines Mädchen führte, und in der anderen eine hell leuch⸗ tende Laterne trug, näherte ſich raſch dem betenden Knaben. Jack war ſo tief in ſeinen frommen Gedan⸗ ken verſunken, daß er die Nahenden nicht kommen hörte. Der Mann aber vernahm die laut geſproche⸗ nen Worte, blieb einige Schritte von dem Knaben ent⸗ fernt ſtehen, und horchte ſtill und aufmerkſam. Das Licht ſeiner Laterne verbarg er, damit es ihn nicht ver⸗ rathen möge, und dem kleinen Mädchen an ſeiner Rechten flüſterte er zu, es ſolle ſchweigen und ſich ganz ſtille verhalten.

Wie du willſt, mein Gott, alſo möge es geſche⸗ hen!« ſchloß Jack ſeine Bitte an den Höchſten.Du weißt am Beſten, was deinen Kindern frommt, und iſt es dein heiliger Wille, daß ſich die Herzen der Menſchen vor mir verſchließen, und daß ich verſchmach⸗ ten ſoll und vergehen in Kümmerniß mit Vater und Mutter, ſo nimm uns auf von dieſer Erde und ver⸗ gönne in Barmherzigkeit, daß wir in deinen Himmel eingehen dürfen. Amen!

Nach den letzten Worten ſtand der Knabe auf, um ſeinen Weg nach Hauſe zu ſuchen. Ehe er ſich aber entfernen konnte, trat der fremde Mann raſch auf ihn zu, zog die Laterne unter dem Mantel hervor, und ließ ihren hellen Schein gerade auf Jack's Geſtalt fallen.

Das Licht beleuchtets ein todtblaſſes, aber feines und liebliches Geſiht Goldhelle, glänzende Locken fielen

2*