Druckschrift 
Wohlthun trägt Zinsen : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

einmal ein Stückchen Brod reichen, um deinen Hunger zu ſtillen! Es iſt entſetzlich!

Der Mann ſtöhnte; ſeine Stimme brach bei den letzten Worten und wurde von Thränen erſtickt, die langſam und ſchwer ſeinen brennenden Augen ent⸗ tropften.

Ich bin ja nicht hungrig; erwiederte das arme Weib, indem ein wehmüthiges, gezwungenes Lächeln ihre blaſſen Lippen umſpielte.Die böſe Krankheit hat wenigſtens das Gute, daß ſie ohne mein Zuthun das Verlangen nach leiblicher Speiſe erftickt. Aber

Jack, mein armer Knabe, dich wird hungern! Du ar⸗

mes, armes Kind, wie jammert mich deiner!

Nein, meine liebſte Mutter, erſt vor einer Stunde habe ich mich recht ſatt gegeſſen! rief der Knabe, in⸗ dem er aufſprang, haſtig ſeine Thränen abtrocknete, und an der Seite ſeines Vaters neben dem Strohlager der Mutter niederkniete.Mache dir um meinetwillen keine Sorge, Mütterchen, ich finde ſchon, was mich ſättigt.

Einen forſchenden Blick warf die Mutter auf den Knaben, der ſich mit Gewalt anſtrengte, ſeiner Ge⸗ fühle Herr zu bleiben und nicht zu verrathen, daß er ſo eben eine Lüge geſprochen, um die Sorge der Mut⸗ ter, ſo viel in ſeinen ſchwachen Kräften ſtand, zu er⸗ leichtern. Beruhigt wendete ſie dann ihr Auge wieder ab, denn der Knabe hatte vollkommen ſeinen guten

Zweck erreicht und fuͤr einen Augenblick den nagenden

Hunger beſchwichtigt, der in ſeinen Eingeweiden wü⸗ thete. Er hatte ſeit ſechsunddreißig Stunden nichts genoſſen. 5

Während Vater und Sohn noch ſtill, und nur mit