Druckschrift 
Willy : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

den Farben gingen in ein dämmeriges Grau über, einzelne Sterne blitzten wie glänzende Lichter auf, und plötzlich war die Nacht da, die dunkle ſtille tiefe Nacht mit allem Schrecken und Bangen, das ſie dem ſchwa⸗ chen Herzen eines kleinen, noch dazu durch die ein⸗ ſamſte und hülfloſeſte Lage geängſtigten Kindes ein⸗ flößen kann. Willy fing von Neuem an zu weinen, und unter Thränen rief er wohl hundertmal mit zit⸗ ternder, ſchluchzender Stimme nach Vater und Mutter, nach Peter, und nach Juno ſogar, deren traurigen Tod ſeine eigene traurige Lage aus ſeinem Gedächtniſſe ver⸗ wiſcht hatte. Aber wie die vorigen, ſo verhallten auch dieſe Rufe ungehört, und voller Angſt und Grauen kauerte ſich der arme kleine Willy endlich auf dem Boden des Nachens zuſammen und ſtützte ſein Locken⸗ köpfchen ſchluchzend auf ſeinen Arm. In dieſer Lage erbarmte ſich der Himmel ſeiner Angſt und Noth, und ſendete ihm, was ihn alle Schrecken vergeſſen machte: einen ſanften, ruhigen und friedlichen Schlaf. Unter Thränen ſchlummerte Willy ein, und die Luft war ſo warm, das Schaukeln der Wogen ſo ſanft, daß er ſein Bettchen daheim nicht im mindeſten vermißte, ſondern ganz feſt und ungeſtoͤrt fortſchlief, bis ihm am anderen Morgen die Sonne hell und glänzend in ſein Geſicht⸗ chen ſchien. Da erwachte er, richtete ſich auf, und blickte erſtaunt und verwundert um ſich.

Jetzt, wo er vielleicht ſchon hundert Meilen von der heimathlichen Küſte entfernt war, ſah der arme Junge nichts mehr um ſich, als Himmel und Waſſer, denn das Land war ſchon längſt tief hinter die Wogen hinab geſunken. Auch die fernen weißen Segel, die er geſtern Abend noch geſehen hatte, waren jetzt verſchwun⸗