39
Nimm dich in Acht, oder du wirſt die Holzpantoffeln meiner Frau zu koſten bekommen!“
Das arme Kind ſchauerte zuſammen, zitterte am ganzen Leibe, und wagte keinen Laut von ſich zu geben. Vignerolles aber trat mit vor Zorn flammenden Augen auf den Unmenſchen zu.
„Keine Drohungen hier, Bürger Simon,“ ſagte er mit vor kaum verhaltener Wuth bebender Stimme. „Sie erſchrecken das Kind! Ich darf das nicht dulden, und werde dem Arzte Bericht darüber erſtatten. Man wird dem Convente Nachricht geben! Verſtehen Sie?“«
Die Bedrohung mit dem Convente ſchüchterte den Elenden ein.
„Nun gut,“ ſprach er gemäßigter,—„du biſt Krankenwärter und ich will mich in deine Angelegen⸗ heiten nicht einmiſchen. Aber ich will mich auch nicht von dem Sohne des Tyrannen verläumden laſſen. Die Thür bleibt von jetzt an offen, und wehe dir, kleiner Capet, wenn du über mich Klage führſt.“
Dieſer Anordnung durfte ſich Vignerolles nicht widerſetzen, und Simon erreichte dadurch ſeinen Zweck, den Wärter wie den Knaben zu überwachen. Sie konnten kein vertrauliches Wort mehr mit einander wechſeln, und mußten ſogar über jede ihrer Mienen und Bewegungen wachen, da Simon und ſeine Frau ſie nicht aus den Augen ließen.
Dieſer Zuſtand dauerte mehrere Tage. Vignerolles benutzte ſie, Bekanntſchaft mit den andern Wächtern des Tempels anzuknüpfen, was ihm ſpäter zu ſtatten kommen konnte. Die Meiſten wechſelten zwar häufig, aber Einige fand er immer wieder, und wurde ſchnell mit ihnen vertraut, da er es ſich angelegen ließ, den


