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Er ging wieder in das Zimmer des armen Knaben, und fand ihn noch eben ſo unbeweglich, wie vorher. Leiſe zog er ſeinen Rock aus, unter welchem er zum Glück noch eine wollene Jacke trug, und deckte die zarte, ſchmächtige Geſtalt damit zu.
„Er wird ſich doch ein wenig wärmen,“ flüſterte er mitleidig.
Der Knabe mußte dieſe Worte gehört, und die wohlwollende Handlung bemerkt haben, denn jetzt drehte er ſich plötzlich um, und blickte mit hellen, blauen Augen ſeinen Wärter an. Es war ein, etwa acht Jahre alter, anmuthiger, hübſcher Knabe, obſchon ſein zartes Geſicht von der Kerkerhaft und von langen Körper⸗ und Seelen⸗Leiden ſehr bleich geworden war. Lange blonde Locken ringelten ſich um ſeine Stirn, und ein ſanftes Lächeln ſpielte um ſeinen kleinen Mund.
„Ah!« ſagte er mit milder Stimme,„ich glaubte, es wäre der böſe Simon. Wer ſind Sie, mein Herr? Sie ſcheinen Theilnahme für mich zu fühlen? Sie haben mir ihren eigenen Rock gegeben, um mich zu erwärmen?“
„Ich bin dein Krankenwärter, mein armes Kind,“ erwiederte der Baron, welcher aus Vorſicht noch nicht wagte, ſich zu erkennen zu geben.„Der Doktor ſchickt mich, und ich will dich ſo gut pflegen, als ich kann. Bedarfſt du Etwas?“
„Ein wenig Waſſer, ich bitte!« ſagte das Kind.
Vignerolles ſah ſich um, und erblickte in einem Winkel einen Steinkrug. Er war leer.
„Die Schändlichen!« murmelte er.„Sie laſſen das arme Kind verſchmachten!“


