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Wie der Herr, so der Knecht : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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blutiger Wiedervergeltung. Baron Vignerolles hatte

daher alle Urſache, wohl auf ſeiner Hut zu ſein, und ſeine wahren Geſinnungen unter der Außenſeite eines wilden Republikaners zu verbergen. Nur unter dieſer Maske war es, wenn überhaupt, möglich, insgeheim zu Gunſten der Königin zu wirken, und er ſpielte ſeine Rolle, ſo widerwärtig ſie ihm war, mit aller Klugheit und großem Geſchick. Niemand vermuthete in ihm einen vornehmen Herrn.

Leider nur wurde alle dieſe Klugheit und Geſchick⸗ lichkeit vergeblich aufgewendet, und Monat an Monat verging, ohne daß Baron Vignerolles ſeinen Zweck auch nur annähernd erreicht hätte. Dennoch harrte er aus, und wies alle Bitten und Vorſtellungen des treuen Jaques, das gefährliche Spiel aufzugeben und nach dem Schloſſe zurückzukehren, mit Entſchiedenheit zurück.

»Was heute nicht gelingt, kann morgen gelingen,« ſagte er, und blieb auf ſeinem Poſten.

Da, zu Anfang des Oktober, verbreitete ſich das dumpfe Gerücht, auch die Königin ſolle angeklagt und vor das Blutgericht geſtellt werden. Dies geſchah denn auch in der That, und trotz ihrer Unſchuld wurde ſie zum Tode verurtheilt. Am 16ten Oktober 1793 um

elf Uhr Morgens mußte ſie den Karren beſteigen, der

ſie nach dem Schaffot führte. Baron Vignerolles be⸗ fand ſich unter der Menge, welche die unglückliche Kö⸗ nigin durch die Straßen fahren ſah, und ſo dicht als möglich drängte er ſich an ihren Karren. Sein Herz blutete, als er ſie erblickte. Ach, ſie war nicht mehr die einſtige, Anmuth und Schöͤnheit ſtrahlende, Königin! Der Gram hatte ihr Haar gebleicht, und die lange Kerkerhaft ihre Züge zerſtört. Selbſt den Pöbel ſchien