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Weihnachten! : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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geſehen an dem heimlichen, verſtohlenen Lächeln, das um ihre rothen Lippen ſpielte, aber Jonathan merkte es nicht, und ſo konnte er denn zuletzt ſein kleines Geheimniß nicht mehr bei ſich behalten, denn es drückte ihm faſt das Herz ab, und indem er von der Fenſter⸗ bank herunter der Mutter in die Arme ſprang, rief er

laut heraus:

Weihnachten, Mütterchen! Weihnachten! Daß nun in vier Wochen Weihnachten iſt, und daß der Chriſt⸗ baum angezündet wird, und daß mir das Chriſtkindchen eine wunderſchöne Beſcheerung bringt, daran erinnert mich der Schnee, der draußen umherwirbelt, denn das iſt doch gewiß das Schönſte, was uns der Winter bringen kann! Weihnachten, Mütterchen! Ei, daß du dieß nicht gleich errathen konnteſt!«

Wer kann an Alles denken! erwiederte die Mutter mit dem vorigen verſtohlenen Lächeln.Und wer weiß ob überhaupt das Chriſtkindchen in dieſem Jahre zu

uns kommt? Wenn die Kinder während des vergangenen

Jahres nicht fromm und artig waren, ſo geht es an der Hausthür vorbei und hält den Sack feſt zu, in dem alle die Weihnachts⸗Herrlichkeiten liegen, die es

über die Tiſche hin ſtreut! Wer weiß, wer weiß,

Jonathan, wie es dieſe Weihnacht mit dir ſteht?«

Ach, Mütterchen, du machſt Scherz mit mir!« entgegnete der Knabe lachend und warf ſich in die Bruſt.So dumm bin ich jetzt nicht mehr, wie im vorigen Jahre! Jetzt geh' ich in die Schule und weiß, welches Chriſtkindchen es iſt, das uns Kindern den Weihnachtstiſch deckt! Du biſt es, Mutter, du und der Vater! d

»Ich und der Vater?« wiederholte die Mutter, und

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