tröſtender Engel trat er in mein Stuͤbchen, und ſagte
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konnte ich wohl ſehen, daß ſie viele viele Thränen ver⸗ goſſen haben mußte;— aber jetzt weinte ſie nicht, ſon⸗ dern ſie lächelte ſogar zuweilen, und neigte das Ohr nach der Thür oder dem Fenſter, wie wenn ſie auf ein Geräuſch horchte.
»Sollte ſie ſchon wiſſen, daß ich frei bin 24 dachte ich—„ſollte ſie mich erwarten? Aber das iſt möglich!« 4
Indeß beſann ich mich nicht lange, ſondern öf die Thür und trat mit den Worten:„Gott grüße dich, Herzensmutter!“ in das Stübchen. Meine gute Mutter ſprang auf, warf den Strickſtrumpf fort, und drückte mich an ihr Herz.
»Sebaſtian, mein Schmerzenskind!« rief ſie aus. „Da biſt du, Gott ſei Dank! Schon ſeit ein paar Stunden erwarte ich dich! Armer, armer Junge, was haſt du dulden und leiden müſſen!“«
Mir war bei dieſem liebevollen Empfange, auf den ich kaum zu hoffen gewagt hatte, als ob eine ſchwere, drückende Laſt von meinem Herzen genommen würde. Tief und erleichtert athmete ich auf, und küßte mit über⸗ quellender Liebe meiner Mutter Hand und Mund.
»Oh, Mutter,“ ſagte ich,„wie glücklich machſt du mich! Aber wie konnteſt du mich erwarten? Woher weißt du, daß ich frei bin?«
»Der junge Herr Baron war hier,“« erwiederte meine Mutter,„der liebe, gute, gnädige Herr! Wie ein
mir, was er mit dir beſprochen habe. Wie gut und
freundlich iſt er!«. „Und ſagte er dir auch, daß er mich nicht für einen
Dieb hält, Mutter? Sagte er das?« fragie 60 haſtig.
Kleine urſachen.


