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Ich ging. Heimlich ſchlich ich mich aus einer Hin⸗ terpforte des Schloſſes und eilte in den Wald, wo ich verweilen wollte, bis es dunkel geworden ſein würde. Denn ich hatte nicht den Muth, bei Tage mich im Dorfe zu zeigen, wo mich doch wohl mancher für ſchul⸗ dig halten mochte. Obgleich mich die Wendung der Dinge nicht ganz befriedigte, weil immer ein Verdacht des Diebſtahls auf mir haften blieb, beruhigte ſich doch allmählig mein aufgeregtes Gemüth und ich dachte mit größerer Kaltblütigkeit über meine Zukunft nach. Es war gewiß, daß Baron Alfred den beſten Ausweg ge⸗ troffen hatte, der mir nach den Vorfällen auf dem Schloſſe noch übrig blieb. Zudem flößte mir ſein gan⸗ zes edles Benehmen ein unbegränztes Vertrauen ein, und die Gewißheit, daß er mich nicht für den Schuldi⸗ gen hielt, gereichte mir zum Troſte und zur Beruhigung. Gelang es mir nun, auch meine gute Mutter von mei⸗ ner Unſchuld zu überzeugen, ſo konnte ich mit ruhigem Herzen das Dorf verlaſſen.
Bis zum Anbruche der Nacht ſtreifte ich im Walde umher und ſuchte die einſamſten Plätze auf, wohin ſich ſelten Jemand verirrte. Auch ſah ich keinen Menſchen, und als es dunkel wurde, ſchlich ich nach Hauſe. An dem Fenſter blieb ich ſtehen. Lichtſchimmer drang her⸗ aus. Ich warf einen Blick in den kleinen Raum, der meine glücklichſten Tage, die Tage meiner Kindheit ge⸗ ſehen hatte, und ſuchte mit zagendem Herzen meine Mutter. Ich fürchtete, ſie in Thränen zu finden, nie⸗ dergebeugt von Kummer und Betrübniß; aber ſiehe, ſie ſaß ganz ruhig an dem Tiſche, auf welchem die Lampe ſtand, und ſtrickte. Freilich, ein wenig hläſſer als früher ſah ſie wohl aus, und an ihren entzündeten Augen


