»
als nur ein wenig Mühe und Arbeit. Keinen Pfennig gab ich dafür aus; denn warum, erſtens hatte ich kei⸗ nen, und wenn ich einen gehabt hätte, ſo würde die Mutter nicht wenig geſchmählt haben, wenn er für etwas Anderes, als dringend Nothwendiges, ausgegeben
wäre. Aber ſo, da die ganze Spielerei nichts koſtete,
als ein wenig Zeit, an der ich keinen Mangel litt, und da die hübſchen Inſekten unſer ärmliches Stübchen recht zierlich ausſchmückten, ſo ließ mich die Mutter gewähren und machte kein Aufhebens von meinen Sammlungen.
Nun, da ich alſo mit den Heidelbeeren fertig war, ging ich wieder meiner Liebhaberei nach und ſtreifte kreuz und quer durch den Wald. Und auch nicht ohne Erfolg, denn bald ſteckte mein Mützchen voller Schmet⸗ terlinge, und da ich nun nichts Beſſeres zu thun wußte, ſo ſchlenderte ich langſam dem Dorfe zu. Unterwegs erſt fiel mir etwas ein, das mein Herz vor Freuden hüpfen machte. Ich dachte nämlich daran, daß ich ja allemal, wenn ich zum Beerenſuchen in den Wald gehen müſſe, ein Buch vom Herrn Schulmeiſter mitnehmen und darin leſen könne, ſobald ich mit der Arbeit, die mir die Mutter aufgetragen, fertig geworden ſei.
»Das iſt aber auch wahr!« rief ich ganz laut in den Wald hinaus.»Wenn ich dann auch nicht ſo viel lerne, wie in der Schule, ſo lern' ich doch etwas, und auch das Wenige iſt für mich ſchon ein großer Schatz!«
Dieſer glückliche Einfall ſöhnte mich ganz mit der Anordnung meiner guten Mutter aus, und anſtatt wei⸗ nend, wie ich fortgegangen, kehrte ich mit lachendem Geſichte nach Hauſe zurück. Die Mutter bezeigte ſich zufrieden mit meinen eingeſammelten Beeren, und als ich ihr erzählte, wie ich künftig meine überflüſſige Zeit


