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Kleine Ursachen : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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ren und Himbeeren wuchſen. Da eines Morgens, als ich wie gewöhnlich zur Schule wandern wollte, hielt mich meine Mutter auf und ſagte:»Halt, Baſtel nämlich Baſtel nannten ſie mich, obgleich ich eigentlich Sebaſtian heißehalt, Baſtel! Mit der Schule iſt's nun für ein Weilchen vorbei, und du haſt Nothwen⸗ digeres zu ſchaffen, als Leſen und Schreiben, denn das brauchſt du doch in deinem ganzen Leben nicht, wenn du erſt ein Taglöhner geworden biſt, wie dein Vater ſelig. Hier nimm den Korb, und lauf' in den Wald hinaus. Die Heidelbeeren ſind reif, und bis Mittag hin kannſt du den Korb voll geſammelt haben. Mun⸗ ter, Baſtel! Die Gutsherrſchaft kauft uns die Beeren ab, wenn du recht ſchöne reife ausſuchſt, und da gibt's ein paar Groſchen zum Mittagsbrod. Sei geſcheut, Junge, und greine mir nicht die Ohren voll! Leben iſt nöthiger, als Lernen, und damit Punktum und marſch!

Nun muß ich freilich geſtehen, daß mir das Weinen allerdings viel näher war als das Lachen, und daß mir die Augen voll Thränen ſtanden, als mir die Mutter meine Bücher wegnahm und ſtatt derſelben den Henkel⸗ korb an meinen Arm hing. Denn ich liebte zwar den friſchen grünen Wald mit ſeinen bunten Vögeln, ſeinen Schmetterlingen und Käfern von ganzem Herzen, aber noch mehr liebte ich die enge, dumpfe Schulſtube, wo ich ſo viel lernen konnte. Seit ich es ſo weit gebracht hatte, daß ich zu leſen verſtand, war ein heißer Durſt nach Wiſſen in mir aufgewacht, und kannte kein grö⸗ ßeres Vergnügen, als dieſen Durſt zu befriedigen. Der Herr Schulmeiſter hatte das wohl bemerkt, und mich deßhalb liebgewonnen. Er beſchäftigte ſich vorzugsweiſe mit mir, gab mir hübſche Bücher mit nach Hauſe, in