haufen ſchlafen mußte. Meine Eltern waren arme Taglöhner auf dem Dorfe, die mit Noth und Mühe ihr tägliches Brod verdienten, und noch dazu ſtarb mein Vater ſchon, als ich kaum mein fünftes Jahr zurück⸗
gelegt hatte. Doppelt ſchwer drückte jetzt der Mangel
auf meine arme Mutter, und mancher Tag haftet in meinem Gedächtniſſe, der füglich ein Tag des Kummers und der Thränen genannt werden darf. Da wußte am Morgen die Mutter noch nicht, ob ſie zu Mittag nur eine Schüſſel Kartoffeln auf den Tiſch würde ſetzen kön⸗ nen, ob am Abend nur eine trockene Brodrinde da ſein würde, um meinen hungrigen Magen zu befriedigen. Aber, Gott weiß, wie es zuging, der Himmel half im⸗ mer, und daß ich nicht umgekommen bin aus Noth und Mangel, das ſeht ihr. Die gute Mutter ſchlug ſich ſo durch, und brave Menſchen gab es auch im Dorfe, deren mitleidige Herzen wenigſtens das Alleräußerſte von uns abwendeten..
So reich an Entbehrungen aller Art nun auch meine Kindheit war, ich denke dennoch mit innigem Vergnügen an die Zeit derſelben zurück. Gott, deſſen Güte ſo groß iſt, weiß auch dem Aermſten das Leben mit bunten Blumen der Freude zu ſchmücken; und mir nun vollends, der ich ſorglos in den Tag hinein lebte, wenn ich nur nicht grade hungern mußte, mir wurde doch auch man⸗ cher frohe Augenblick, manche frohe Stunde zu Theil. Mein heimathliches Dörfchei hatte eine reizend ſchöne Lage mitten im Gebirg. Unſere kleine ſtrohbedeckte Hütte ſtand auf dem Abhange eines Hügels. Hohe dunkle Tannen beſchatteten ſie; ein plätſchernder Wald⸗ bach floß rauſchend und murmelnd am Fuße des Hü⸗ gels vorüber und folgte den Kruͤmmungen des Thales⸗


