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Tüchtig und untüchtig : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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Herr?« fragte er ſich ſelbſt, während ſeine Säge krei⸗ ſchend durch die Holzſcheite fuhr.Und was er wohl ſagen wird, wenn er mich erkennt, und als Tagelöhner wieder findet? Ob er wohl mit Geringſchätzung auf mich herabſehen würde? Nein, nein! Dazu iſt ſein Herz viel zu weich und gut. Aber er wird mich auch gar nicht wiederkennen in meinem ſchlichten Anzuge. Ich habe mich gewiß ſehr verändert ſeit anderthalb Jahren, bin größer und ſtärker und viel brauner im Geſicht geworden. Da wird er ſich meiner wohl ſchwer⸗ lich erinnern, wenn ich nicht ſelber ſein Gedächtniß an⸗ friſche. Ob ich das thue? Oder nicht? Nein, nicht! Er könnte es für eine Zudringlichkeit halten, oder wohl gar denken, daß ich ihn mit dieſen Zumuthungen be⸗ läſtigen wolle. Darum fein ſtill und zurückhaltend. Erkennt er mich, nun, ſo iſt's gut, und ich werde mich nicht verläͤugnen, oder gar noch meiner Arbeit ſchämen! Erkennt er mich aber nicht, ſo ſchweig ich! Abge⸗ macht!«

Mit gelaſſenem Fleiße ſägte er weiter, und hatte ungeſtört ſein Tagewerk bis auf wenige Scheite Holz zu Ende gebracht, als, von ihm unbemerkt, die Haus⸗ thüre von innen geöffnet wurde, und Herr Winter in eigener Perſon auf der Schwelle erſchien. Er warf Leo, den er für einen gewöhnlichen Holzhauer halten mußte, erſt einen nur flüchtigen und gleichgültigen Blick zu. Gleich darauf aber zuckte er ſichtlich zuſammen, Erſtaunen, vermiſcht mit Zweifel und Schrecken, malte ſich in ſeinen Mienen, und ſein immer noch helles und ſcharfes Auge ſchien den jungen Menſchen durchbohren zu wollen.

Leo!« rief er endlich;Leo Hagen! Du biſt es.