88
Sechstes Kapitel. Nach den Wolken— die Sonne.
Acht Wochen ſind nach jenen bangen Tagen, die wir zu ſchildern verſucht haben, vergangen. Vater Erdmann und auch Nachbar Riedel hatten keine wei⸗ teren Verluſte erlitten, und das furchtbare Schlacht⸗ gewitter, das am Freitage, den 27. Auguſt, um Dresden herum noch gewüthet hatte, war unſchädlich an ihnen vorübergezogen. Dresden freilich war im⸗ mer noch von franzöſiſchen Truppen okkupirt. Aber ſeitdem war nun auch in Leipzigs weiten Ebenen an den ewig denkwürdigen Oktobertagen der entſcheidende Sieg der Alliirten über Napoleon erſtritten worden, und Deutſchland athmete in der Hoffnung, bald für immer den Druck der franzöſiſchen Gewaltherrſchaft
abwerfen zu können, erleichtert auf.
Vater Erdmann hatte, wie jeder brave Deutſche, die Kunde von den zahlreichen Siegen der verbünde⸗ ten Truppen, die Schlag auf Schlag nach einander folgten, mit aufrichtiger patriotiſcher Freude vernom⸗ men; aber in ſeinen eigenen häuslichen Verhältniſſen, die denn doch ſehr in den Auguſttagen gelitten hat⸗ ten, war dadurch keine Aenderung zum Beſſern ein⸗ getreten. Sein ausgeplündertes, halb zuſammenge⸗ ſchoſſenes Haus lag immer noch wüſt und öde. We⸗ der Dach, noch Fenſter und Thüren hatten ausgebeſſert werden können, denn es fehlte in den ſchweren Ta⸗ gen nicht nur an den nöthigen Arbeitern, ſondern dem
4—


