zuſammenſtecken, und ſich gegenſeitig ihre Befürchtun⸗ gen in die Ohren raunen. Officiere und Soldaten, Alles wimmelt und wirbelt dort durch einander. Ei⸗ nen General hörte ich zu einem Anderen leiſe ſagen: „Wenn der Kaiſer Napoleon nicht zur rechten Zeit ein⸗ trifft, dann ſind wir, und iſt Dresden mit verloren!“ Der Andere nickte mit ſorgenvoller Miene dem Gene⸗ ral beiſtimmend zu, und murmelte Etwas, was ich nicht verſtand. In der Zeit von kaum einer halben Stunde kamen wohl ſechs Ordonnanz⸗Officiere in wil⸗ deſtem Galopp angeſprengt, und eben ſo viele wur⸗ den vom Marſchall St. Cyr abgeſchickt, um nach Schleſten zu eilen und Napoleon von der drohenden Gefahr, in der Dresden ſchwebt, zu benachrichtigen. Ein Getümmel, ein Lärm und Spektakel herrſcht auf dem Platze, von dem man ſich keine Vorſtellung ma⸗ chen kann, wenn man es nicht ſelber geſehen und ge⸗ hört hat.“
„Das läßt ſich denken,“ ſagte Vater Erdmann ſorgenvoll.„Den Franzoſen mag nicht eben wohl zu Muthe ſein, wenn wirklich die ganze Böhmiſche Ar⸗ mee der Verbündeten gegen ſie anrückt. Aber viel⸗ leicht,— und das iſt noch meine einzige Hoffnung,— vielleicht iſt Alles nur ein blinder Lärm. Wie ſollten
ſie in Böhmen ſo ſchnell erfahren haben, daß Napo⸗
leon mit dem größten Theile ſeines Heeres gegen Blücher nach Schleſien ausgerückt iſt? Nein, nein! Noch bleibt uns ein Hoffnungsfunken übrig!“
„Den muß ich leider auslöſchen, lieber Vater,“ nahm jetzt ein junges Mädchen von etwa ſiebzehn Jahren, die ganz unbemerkt in die Laube getreten war, mit ſanfter Stimme das Wort.


