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Bange Tage : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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Der Tag war heiß, die Luft ſchwül und drückend. Kein Blättchen an Baum und Strauch regte ſich. Die blühenden Reſeda⸗Büſche hauchten ſüßen, faſt be⸗ täubenden Duft aus. Leiſe rauſchte und murmelte das Waſſer des Mühlgrabens, der dicht am Garten vor⸗ über floß, und das große Rad der Schneidemühle in Bewegung ſetzte, heißt das, an den Wochentagen heute nicht, denn es war Sonntag, der Tag des Herrn, an dem die Arbeit ruhte, nach dem Gebote Gottes.

Auch die ganze Natur ſchien zu ruhen. Ringsum unterbrach nichts die tiefe Stille, als zuweilen das liebliche Flöten und Zwitſchern einer Grasmücke, die nicht weit von der Laube in dem dichten Geblätter eines großen Fliederbuſches verborgen ſaß.

Vater Erdmann lauſchte ſonſt gern dem anmuthi⸗ gen Geſange des Vögelchens, das ihm ein alter ver⸗ trauter Freund war, da es ſchon ſeit Jahren jeden Frühling in dem Fliederbuſche ſein Neſt gebaut hatte. Heute aber hatte er kein Ohr für die ſchmelzenden Strophen des befiederten kleinen Sängers; er mußte über Wichtigeres denken, ſinnen und grübeln.

Dumpfe Glockenſchläge dröhnten jetzt durch die Luft. Es ſchlug drei Uhr vom Thurme der Kreuz⸗ kirche in Dresden. Kaum war der letzte Ton ver⸗ hallt, ſo knarrte abermals die Gartenthür, und leichte Schritte näherten ſich der Laube auf dem mit Kies beſtreuten Wege. Frau Erdmann erſchien im Eingange derſelben mit dem Kaffee⸗Geſchirr. Sie pflegte im⸗ mer des Sonntags Nachmittags, wenn es das Wet⸗ ter irgend erlaubte, im Kreiſe der Ihrigen den Kaffee

in der Laube zu trinken. Mit geſchäftiger Hand