Druckschrift 
Ein armer Sünder : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

Schweigend nahmen ſie die Mittheilung hin. Der ehrliche Tagelöhner ſchüttelte bedenklich den Kopf, der Mutter rollten Thränen über die Wangen.

Hans ſchaute beſtürzt Beide an.

Seht Ihr es nicht gern wenn ich Euch verlaſſe? fragte er.

Gern ſehe ich's nicht, daß du in die große Stadt gehſt, nahm der Vater nach einem Weilchen das Wort.Man iſt dort vielen Verſuchungen ausge⸗ ſetzt, die man auf dem Lande gar nicht kennt. Frei⸗ lich iſt es ſchon manchem armen Taglöhner⸗Sohne dort gut ergangen, und enn habe ich keineswegs die Ab⸗ ſicht, dich zurückhalten zu wollen.«

Aber deine alte Mutter, Hans? ſagte die gute Frau.Haſt du auch wohl bedacht, daß du ihr durch dein Fortgehen in die weite Welt Kummer und Sor⸗ gen bereiten wirſt?

Oh, Mutter, verſetzte Hans,nicht Kummer und Sorge will ich dir bereiten, ſondern dir und dem Vater eine Erleichterung verſchaffen. Hier liege ich Euch doch nur zur Laſt, da ich nichts Ordentliches ver⸗ dienen kann. Wenn ich fort bin, braucht der Vater nicht mehr ſo ſchwer, wie bisher, zu arbeiten, denn er wird einen Mund weniger zu ſpeiſen haben. Und dann, das viele Geld, das ich in der Stadt verdiene! Meinſt du denn, Mütterchen, ich werde das Alles für mich behalten? Nein, nein, die Hälfte wenigſtens von meinem Lohne werde ich an meine lieben Eltern ſchi⸗ cken. Darauf kannſt du dich verlaſſen, Mütterchen! Habe nur keine Bange um mich! Ich werde gewiß brav und ordentlich ſein, um mit der Zeit immer mehr Geld verdienen!.

8