„Ach, Ihr ſeid es, Vetter Michel,“ ſagte Hans, indem er ſchnell aus dem Graſe aufſprang, und dem ſtattlichen Manne in der hübſchen Kutſcher⸗Livree die Hand entgegenſtreckte.„Eben habe ich an Euch ge⸗ dacht, Vetter Michel, und an Alles, was Ihr mir dieſer Tage her von der prächtigen Reſidenz und dem luſtigen Leben darin erzählt habt, und da meinte ich, wie jammerſchade es doch wäre, daß ich armer Dorf⸗ bube in meinem ganzen Leben ſo etwas nicht ſollte zu ſehen bekommen.“
„Ja freilich, ſchön iſt's in der Stadt,“ erwiederte Michel ſchmunzelnd.„Möchteſt alſo auch gern dahin, Hans,— wie?“
„Für mein Leben gern,“ verſetzte der junge Burſch traurig,—„aber,“ ſetzte er kopfſchüttelnd hinzu,„ich weiß ja nur zu gut, daß ich nie hinkommen werde, und daß ich mir daher derlei große Wünſche aus dem Sinne ſchlagen muß.“
„Nun, nun, nur nicht gleich an Allem verzweifeln,“ erwiederte Michel gutmüthſg.„Setz' dich wieder hin, Hans, und ich will mich auch ein Bischen an deine Seite ſetzen, denn es iſt wirklich ein recht hübſches, ſchattiges Plätzchen hier, und ich habe ſchon ein Vier⸗ telſtündchen Zeit, um mit dir plaudern zu können. Alſo du haſt Luſt, nach der Stadt zu gehen?“
„Ja, große Luſt, Vetter Michel, die größte Luſt, die es geben kann.“
„Nun, verdenken kann ich dir das gerade nicht, und wundere mich auch gar nicht darüber. Das Leben im Dorfe hier iſt ein langweiliges Hundeleben gegen das in der Reſidenz. Man friegt ja hier nichts wei⸗ ter zu ſehen, als ein paar Hütten, Wald und Flur,
8*


