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Ein armer Sünder : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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zogen an dem inneren Auge ſeiner Seele vorüber. Im

Geiſte verſetzte er ſich in das Gewühl und Gewirre

einer großen Stadt und ließ bunt durch einander präch⸗ tig uniformirte Soldaten mit blitzenden Waffen und rauſchender Regimentsmuſik, ſtolze Reiter und alles das lebhafte Getümmel breiter Straßen mit prächti⸗ gen Paläſten und ſchönen Häuſern an ſich vorüber paſſiren.

Ja, wer das Alles und noch ſo Vieles mehr wirklich und wahrhaftig mit ſeinen Augen ſehen könnte, murmelte er mit einem tiefen Seufzer vor ſich hin. Aber mir wird ein ſolches Glück wohl in meinem ganzem Leben nicht zu Theil werden, und ich möchte faſt wünſchen, daß mein Vetter Michel von der gan⸗ zen ſtädtiſchen Herrlichkeit gar keine Sylbe erzählt hätte, ſo begierig ich auch die Worte von ſeinem Munde ge⸗ haſcht habe. Ja, der hat es gut! Wenn ich nur auch, wie er, Kutſcher bei unſerer gnädigen Gutsherrſchaft werden und alle Jahre ein paar Monate in der gro⸗ ßen Reſidenzſtadt zubringen könnte! Oder wenn ſie

mich nur als Stallburſche mitnähmen! Doch freilich,

das ſind vergebliche Wünſche! Aus dem Gänſejungen

wird im Leben nichts Anderes, als ein armer Tage⸗

löhner, und ſo werde ich wohl auch hier im Dorfe verſauern müſſen, ohne daß mir je die Herrlichkeiten in der großen weiten Welt vor die Augen kommen. Es iſt ſchade, wahrhaftig jammerſchade! ſetzte er mit einem abermaligen, tiefen Seufzer ganz laut hinzu. Na, was iſt denn ſchade, Hans? fragte eine tiefe Baßſtimme hinter ihm, und als Hans ſich umwendete, ſah er den gutsherrlichen Kutſcher in eigener Perſon hinter ſich ſtehen.