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Ein armer Sünder : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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Hans die Kirſchbäume, bald die Aprikoſenbäume ge⸗ plündert; bald bei den Erdbeer⸗Beeten, bald bei den Johannis⸗ und Stachelbeer⸗Büſchen genaſcht; bald die ſüßeſten Pflaumen, bald die ſchönſten Pfirſichen oder Weintrauben ſtibitzt. In den ſeltenſten Fällen freilich nur konnte man die Beweiſe ſeiner Plünderungsluſt beibringen, und am allerwenigſten ließ ſich der flinke Burſch bei ſeinen Razzia's erwiſchen; daß aber doch er, und nur er allein der Früchtedieb war, ließ ſich der Gärtner nicht ausreden, und wahrſcheinlicher Weiſe hatte er mit ſeiner Meinung vollkommen recht. Hans wollte es nur nicht zugeben, und entging daher mei⸗ ſtens der wohlverdienten Strafe. Wurde er, trotz aller ſeiner Vorſicht, doch einmal attrapirt, ſo verabfolgte ihm ſein Vater alle Mal eine ſehr gewichtige Portion Schläge, und die Mutter ließ es an eindringlichen Er⸗ mahnungen nicht fehlen. Aber das Alles diente nur dazu, Hans noch vorſichtiger und ſchlauer als vorher zu machen; bei der erſten Gelegenheit plünderte er wieder die Bäume, Sträuche und Weinſtöcke des er⸗ zürnten Gärtner's, und lachte ſich in's Fäuſtchen, wenn es ihm gelungen war, ſich den ſpähenden Augen des ſcharfſichtigen Feindes zu entziehen. 8

An anderem Eigenthum, als an Früchten des Gar⸗ tens und der Felder, oder an den Fiſchen im Teiche und den Waldbächen, oder an den Vögeln in den Bü⸗ ſchen, denen er mit großer Geſchicklichkeit Sprenkel und Dohnen zu ſtellen wußte, vergriff ſich Hans aber niemals. Er hatte ſeltſame Anſichten, der kecke Junge, und hehauptete ſteif und feſt, daß Alles, was zwiſchen Himmel und Erde frei wachſe und gedeihe, auch freies Eigenthum eines Jeden wäre, der geſchickt genug ſei,