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Ein armer Sünder : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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zuleſen ſuchte, um ihn zu erfüllen, ehe er noch in Wor⸗ ten ausgeſprochen war. Wenn er zur Sommerszeit von ſeinen Geſchäften heimkehrte, Hans bekleidete nämlich ein nicht ganz unwichtiges Amt, indem ihm die Funktionen des Dorf⸗Gänſehüters übertragen wor⸗ den waren, ſo legte er keineswegs die Hände träg in den Schooß, ſondern unterzog ſich mit Luſt und Liebe den ſchweren Arbeiten, welche der bejahrten Mut⸗ ter große Anſtrengungen verurſacht haben würden. Wollte ſie die Wäſche beſorgen, ſo fand ſie ſicherlich bei Tages⸗Anbruch Keſſel und Eimer mit Waſſer ge⸗ füllt, das Hans während der Nacht aus dem eine Vier⸗ telſtunde entfernten Bache herzu getragen hatte. Nie fehlte es ihr an kleinem Holze und Reiſig zum Feuer⸗ Anmachen, wie an dem übrigen nöthigen Feuerungs⸗ Material für Küche und Heizung der Wohnſtube. Hans ſorgte für Alles, er ſägte und hackte das Holz, ſchichtete es ſauber im Stalle auf, und fühlte ſich über⸗ glücklich, wenn die Mutter ihn durch ein dankbares Lächeln oder einen zärtlichen Blick belohnte. Hans beſorgte auch das Futter für die Ziege, er war eben ſo unentbehrlich, wie unermüdlich beim Ausgraben der Kartoffel⸗Ernte, kurz, er ſpielte mit Erfolg die Rolle eines fleißigen Haus⸗Koboldes, unter deſſen geſchickten Händen Alles gut und glücklich gedeihet.

Nur ein Fehler haftete ihm an, und zwar ein ſchlim⸗ mer Fehler, welcher ſeiner Mutter ſchon ſchwere Sorge bereitet hatte. Er nahm es nicht ganz genau mit dem Mein und Dein, und mehrmals ſchon waren Klagen in dieſer Beziehung über ihn eingelaufen. Beſonders hatte der Gärtner auf dem Edelmanns⸗Hofe alle Au⸗ genblicke über ihn Beſchwerden zu erheben. Bald hatte