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Ein armer Sünder : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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Sein Frau mochte einige Jahre jünger ſein als er, aber trotzdem ſah ſie ziemlich eben ſo alt aus. Sie arbeitete, wenn auch minder ſchwer, doch eben ſo flei⸗ ßig, wie ihr Mann, und, wenn ſie nicht mit häuslichen Geſchäften zu thun hatte, ſo war ſie entweder in dem Gärtchen hinter der Hütte in Thätigkeit, oder ſie ſtreifte durch Wald und Feld, um Beeren, Wurzeln, Pilze und Kräuter zu ſuchen, deren Erlös einen klei⸗ nen Beitrag zu der ſo ſpärlich gefüllten Wirthſchafts⸗ Kaſſe lieferte. Weder Sonnenbrand, noch Sturm, noch Regen ſchreckte ſie von ihren Gängen ab, und man kann ſich daher nicht wundern, daß ſchon längſt die Blüthe ihrer Jugend verwiſcht, und ihr Geſicht von Runzeln und Falten durchfurcht war. Im Ueb⸗ rigen gab es keine beſſere Hausfrau und Mutter, als die brave Frau Wächter, und ihr Mann ſowohl wie ihre Kinder wußten ihren Werth zu ſchätzen und durch innige Anhänglichkeit und aufrichtige Liebe zu ver⸗ elten.

4 Von der kleinen Anna und Lieschen iſt nicht viel mehr zu ſagen, als daß ſie artige und gehorſame Kin⸗ der waren, und ihrer Mutter, ſo viel es ihre jugend⸗ lichen Kräfte erlaubten, beiſtehend und helfend zur Hand gingen.

Mit Hans dagegen, ihrem Bruder, ſtand es ſchon anders.

Hans war ein friſcher, geſunder Burſche, deſſen munteres Ausſehen, deſſen rothe Wangen und blitzende Augen nicht andeuteten, daß er in ſehr kümmerlichen Verhältniſſen aufgewachſen war. Seinen Aeltern und Geſchwiſtern hing er mit großer Liebe an, insbeſondere der Mutter, der er jeden Wunſch an den Augen ab⸗