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Ein armer Sünder : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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wand eingeſchlagene Holzpflöcke, die als Erſatz für den mangelnden Kleiderſchrank dienen mußten. Das war ſo ziemlich Alles.

Vater, Mutter und Kinder gingen ſehr einfach, ja ärmlich gekleidet. Was ſie anhatten, war aus den billigſten, gröbſten Stoffen angefertigt, und augen⸗ ſcheinlich ſchon manches Jahr getragen, denn es gab da keine Jacke, keine Hoſe, keinen Rock und keine Schürze, die nicht ſchon vielfach geflickt und mit aller⸗ lei bunten Flecken und Lappen kunſtlos bedeckt und ausgebeſſert geweſen wäre. Doch ſöhnte ein Umſtand mit dieſer Armſeligkeit der Kleider aus, der Umſtand nämlich, daß man bei Keinem einen Riß oder ſonſt eine ſchadhafte Stelle erblickte. Sie waren alt und abgetragen, aber wenigſtens heil und ganz. Ein Be⸗ weis, daß ein ſorgſames Auge darüber wachen mußte.

Vater Wächter war ein Mann von einigen fünf⸗ zig Jahren, mit einem treuherzigen, guten Geſicht, aus deſſen verwitterten Zügen Glück und Zufriedenheit, oder wenigſtens Ergebung in die Verhältniſſe ſeiner niedrigen Stellung ſprachen. Sein bereits ganz er⸗ grautes Haar, und ſeine ſchwielenbedeckten Hände ga⸗ ben Zeugniß von einem zugleich rauhen und arbeits⸗ reichen Leben. Er hatte von Jugend auf als Tage⸗ löhner gedient, und Jahr für Jahr die ſchwere Holz⸗ hauer⸗Axt nur aus der Hand gelegt, um ſie gegen die Senſe und Sichel des Schnitters, oder gegen den Dreſchflegel zu vertauſchen. Seine Arbeit war in der That eine harte und ſchwere, aber das ſpärliche Er⸗ gebniß derſelben ſicherte wenigſtens ihm und ſeiner Familie nothdürftigen Unterhalt, und dies reichte zu des beſcheidenen Mannes Zufriedenheit vollkommen aus.

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