100
»„Ich tadle dich ſo wenig, daß ich deine Reiſe bis auf zehn Schritte abzukürzen gedenke. Wiſſe denn, daß Graf Strombeck, der mit uns unter einem Dache wohnt, unmittelbare kaiſerliche Vollmacht mit ſich führt, über den Korſaren von Dagoe die ſtrengſte Unterſuchung zu verhängen, und daß der Vogt des Barons, den du für entlaufen hältſt, in dieſem Augenblicke hier unter aus im Kellergewölbe zwiſchen vier Dragonern gefangen ſitzt und bereits freiwillig ſeinen Herrn einer ganzen Reihe von ſchrecklichen Unthaten bezüchtigt hat.“
„Der Vogt? Dieſer frevelnde Handlanger und das Werkzeug bei allen Schandthaten des Barons? Un⸗ möglich!« 8
„Und dennoch Wahrheit!« fuhr Hollmark fort. „Höre nur. Vorgeſtern kam Graf Strombeck auf einem Gute meines Onkels an und fragte mich, ob ich nicht genauer mit dem Baron Unken bekannt ſei und ob ich
ihn für einen ehrlichen Mann halte? Da er mich mit
dem Zwecke ſeiner Sendung bekannt machte und mir ſeine Vollmachten zeigte, hielt ich es für meine Pflicht, ihm die ganze Wahrheit zu ſagen, ſoweit mir dieſelbe bekannt war, und hierauf erſuchte er mich, ihn zu be⸗ gleiten. Ich that dies um ſo lieber, weil ich mich der ſchuldloſen Töchter des Verbrechers nach Kräften an⸗ nehmen möchte, und wir begaben uns hierher. Kaum waren wir angekommen, ſo war des Grafen Name auf jeder Zunge, und ſofort forderte auch ein gemeiner Eſthe mit einer Art von Aengſtlichkeit beim Grafen Gehör. Er wurde in meiner Abweſenheit vorgelaſſen, und ſagte aus, er habe mit Freuden gehört, daß der Graf angekommen ſei, um eine Unterſuchung auf Dagoe einzuleiten, und er wolle ihm Dinge offenbaren, von


