31
in fremdem Lande fremd und ohne Freunde der Hülf⸗ loſigkeit preisgegeben wären? Nein, nein, ich habe es beſſer mit Ihnen im Sinne! Verweilen Sie bei mir, machen Sie Bekanntſchaft mit meinen Kindern, welche dieſer Tage von einem Ausfluge in die Umgegend zu⸗ rückkehren werden, und dann laſſen Sie uns weiter ſehen. Zu Ihrer Abreiſe mit Kapitän Wildenrad gebe ich unter keiner Bedingung meine Einwilligung.“
Der Baron bat ſo freundlich, forderte Werners Bleiben ſo dringend als eine Gefälligkeit, malte die Verhältniſſe in Petersburg mit ſo ſchwarzen Farben, daß Werner, ohnehin durch Dankbarkeit gebunden, zu⸗ letzt nicht länger zu widerſtehen vermochte, ſondern den Kapitän nach herzlichem Abſchiede allein abreiſen ließ. Der Baron ſchien ſeine Nachgiebigkeit hoch aufzuneh⸗ men. Er verdoppelte ſeine Freundlichkeit gegen Wer⸗ ner, und gab ſich alle mögliche Mühe, ihm den Auf⸗ enthalt auf ſeinem Schloſſe angenehm zu machen. Wer⸗ ner müßte ſehr undankbar geweſen ſein, wenn er ſo viel zuvorkommende Güte nicht zu würdigen verſtanden hätte, und ſo ließ er es ſich denn gefallen, als Haus⸗ freund des Barons betrachtet und von der Dienerſchaft als ſolcher geehrt und geachtet zu werden.
Nur in einer einzigen Beziehung hatte dieſes Ver⸗ hältniß etwas Drückendes für ihn. Er fühlte ſich un⸗ behaglich, daß er eine ſo ausgeſuchte Gaſtfreundlichkeit durch nichts Anderes, als nur durch ſeine Geſellſchaft vergüten konnte, und würde vielleicht lieber geblieben ſein, wenn er ſich auf irgend ein Weiſe dem Baron hätte nützlich machen können. Die Unthätigkeit ſelbſt widerte ihn an, und eines Tages bat er geradezu den


