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Der Strandfischer : nach einer wahren Begebenheit seinen jungen Freunden erzählt / von Franz Hoffmann
Entstehung
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anderen Morgen im Hafen von Kronſtadt zu erwachen, in ſeine Kajüte gegangen und in dieſer Hoffnung feſt eingeſchlummert war, wurde vom heulenden Sturme mit rauher Wildheit aus ſeinem ſuͤßen Schlafe wieder aufgerüttelt. Taumelnd fuhr er von ſeinem Lager auf, warf einen Pelz über und eilte mit ſchwankenden Schritten auf das Verdeck, wo er die ganze Mann⸗ ſchaft, den Kapitän an der Spitze, wach und in reger Thätigkeit fand.

»Der Menſch denkt, Gott lenkt!« rief ihm Kapitän Wildenrad zu, indem er ſeine Hand wie ein Sprach⸗ rohr gebrauchte, um die Kraft ſeiner Stimme zu ver⸗ ſtärken, deren Schall von dem Brauſen des Sturmes und dem Toben der aufgewühlten Wogen faſt ver⸗ ſchlungen wurde.Wer hätte glauben ſollen, daß wir noch beinahe am Ende der Fahrt ſolches Unwetter er⸗ leben müſſen! Das iſt fürwahr ein hölliſcher Orkan, wie ich ihn in dieſen Gewäſſern, die ich ſeit dreißig Jahren befahre, noch nimmer erlebt habe.

»Iſt ernſtliche Gefahr vorhanden? fragte Werner beſorgt.

Ei ja doch, Gefahr an allen Ecken und Enden, erwiederte der wackere Seemann,aber ich denke trotzdem, daß der alte Kaſten ſie noch einmal abwettern wird, wie ſehr auch alle ſeine Rippen krachen. Wir müſſen ſehen, daß wir das morſche Gebäude vom Lande fern halten, das uns hier rechts und links ſchon näher, als mir lieb iſt, auf den Leib rückt. Gegen die Wellen hält das alte Schiff ſchon noch Stand, ſo ungeſtüm ſie auch gegen die Planken anſtuͤrmen. Hilf Gott, was für ein Wetter!

In der That raste der Orkan mit ſolcher Wuth,